Spital, Pfründhaus, Wohngebäude – 700 Jahre St. Katharina in Schwäbisch Gmünd

von Patrick Henn (Landesarchiv Baden-Württemberg)

Der Gebäudekomplex St. Katharina mit Kapelle und Wohngebäuden ist ein imposanter Bau. Täglich kommen dort zahlreiche Menschen vorbei, sei es auf dem Weg zum angrenzenden Parkplatz oder zum gegenüberliegenden Sportplatz. Nur wenige kennen vermutlich die wechselvolle Nutzungsgeschichte dieser historischen Anlage, deren Ersterwähnung sich nun zum 700. Mal jährt. Ein Grund zurückzuschauen und die Geschichte dieses Ortes näher zu beleuchten.

St. Katharina trägt diesen Namen nicht zufällig. Die im Mittelalter als Siechenspital genutzte Einrichtung ist benannt nach der heiligen Katharina von Alexandrien, eine der 14 heiligen Nothelferinnen und -helfern. Sie ist unter anderem Beschützerin von Kirchen und Krankenhäusern und wird bei Krankheit angerufen. Im Mittelalter wurden in St. Katharina außerhalb der Stadtmauer Schwäbisch Gmünds Leprakranke untergebracht. Zum ersten Mal erwähnt wird St. Katharina beiläufig in einer Urkunde aus dem Jahr 1326. Darin wird der Gebäudekomplex als habitati[o] leprosorum bzw. „Wohnstätte der Leprakranken“ bezeichnet.[1] Ins Leben gerufen wurde das Siechenspital wohl rund 100 Jahre zuvor in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von einem heute unbekannten Stifter. Seit dem 14. Jahrhundert ist es im Besitz der Stadt.

Im 15. Jahrhundert verschwand die Lepra in Schwäbisch Gmünd allmählich[2] und das Gebäude bekam einen neuen Zweck. Von nun an wurde das ehemalige Spitalgebäude als Pfründhaus genutzt. Pfründhäuser waren caritative Einrichtungen, die gegen einen moderaten Geldbetrag Unterkunft und Pflege gewährten. Die als Pfründner bezeichneten Bewohner waren häufig unvermögend. Mitunter handelte es sich aber auch um gewöhnliche Bürger, die im Pfründhaus lebten, um dort im Alter versorgt zu werden. Allen dauerhaften Bewohnern war gemein, dass sie Bürgerinnen und Bürger der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd waren.

Der Gebäudekomplex im sogenannten „Gütter Büchl“ (1748). In dem Güterbuch wurde der zu St. Katharina gehörende Grundbesitz aufgeführt (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. A01 B 225).

Die Zeichnung aus dem Jahr 1748 zeigt, wie St. Katharina in dieser Zeit etwa aussah. Die wesentlichen Gebäude stehen bis heute. Am linken Eck ist das zweiflügelige Spitalgebäude bzw. Pfründhaus zu sehen. In dieser Form existiert es seit dem 17. Jahrhundert. Daneben befindet sich die Kapelle, hier abgebildet noch vor ihrer barocken Umgestaltung, die ab 1749 vorgenommen wurde. Rechts neben der Kapelle steht das sogenannte Hofmeisterhaus. Das kleine Gebäude unten links wurde als Armenhaus bezeichnet. Die übrigen drei Gebäude existieren heute nicht mehr.[3] Wo sie früher standen, befindet sich seit 1980 der erwähnte Parkplatz.

1802 wurde die bis dato freie Reichsstadt Schwäbisch Gmünd württembergisch. Ab 1804 fanden in der Kapelle vorerst keine Gottesdienste mehr statt.[4] Das Pfründhaus existierte weiter. 1823 wurden im Dachgeschoss des Spitalgebäudes zwei Zimmer und neun Schlafkammern zu einer Art „Krankenhaus“ ausgebaut.[5] 1854 endete die bisherige Nutzung St. Katharinas. Die Pfründner und Kranken wurden in das Stadtspital verlegt.

Das Foto zeigt St. Katharina in den 1950er Jahren. Die Scheune, der Schuppen und die Gärten, an deren Stelle sich heute der Parkplatz befindet, sind hier noch zu sehen (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. E02: Sammlung Seitz, Nr. 3424).

Anschließend wurde St. Katharina bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Armenhaus[6] genutzt, zwischenzeitlich auch als Unterkunft für Wanderarbeiter und im Ersten Weltkrieg als Truppenquartier. In der NS-Zeit wurde es als Obdachlosenheim geführt. Bis in die frühen 2000er Jahre diente es als Wohngebäude, bevor der Leerstand eintrat. 2010 wurde die Renovierung beschlossen. Die Renovierungsarbeiten am Spitalgebäude werden derzeit durchgeführt. Zukünftig sollen dort Wohneinheiten entstehen, die beispielsweise an Studierende vermietet werden könnten. Das imposante Fachwerkhaus mit langer Historie wird bald also wieder mit Leben gefüllt.

Literatur

Deibele, Albert mit Kissling, Hermann: Das Katharinenspital zu den Sondersiechen in Schwäbisch Gmünd. Seine Geschichte, Verzeichnis der Urkunden, Akten und Bände mit Beilagen 1326 bis zur Gegenwart. Schwäbisch Gmünd 1969 (Inventare der nichtstaatlichen Archive in Baden-Württemberg Nr. 14).

Heiss, Heinz-Dieter: Vom Leprosenspital zum Krankenhaus. Aus der Geschichte des Schwäbisch Gmünder Krankenhauses. Schwäbisch Gmünd 2000 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Schwäbisch Gmünd Nr. 8).

Staudenmaier, Kuno: Historisches Juwel in Schwäbisch Gmünd wird neues Wohnprojekt. Gmünder Tagespost vom 23.02.2026.

Strobel, Richard [u. a.]: Die Kunstdenkmäler der Stadt Schwäbisch Gmünd. Bd. 4: Kirchen und Profanbauten außerhalb der Altstadt, Ortsteile. München/Berlin 2003 (Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg).


[1] Das Original der Urkunde befindet sich heute im Staatsarchiv Augsburg. Regest bei Deibele, Katharinenspital, S. 115. Maschinenschriftliche Abschrift sowie Übersetzung im Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. G 01 Bd. 16, Reg. 1 sowie G 02, 1326 Februar 5.

[2] Heiss, Vom Leprosenspital zum Krankenhaus, S. 14.

[3] Zur Baugeschichte von St. Katharina siehe Strobel, Kunstdenkmäler, S. 61ff.

[4] Vgl. Deibele, Katharinenspital, S. 99.

[5] Heiss, Vom Leprosenspital zum Krankenhaus, S. 40.

[6] Für die Armenhausordnung von 1903 siehe Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. A 07 Bü 435_5.


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niklaskonzen (4. August 2026). Spital, Pfründhaus, Wohngebäude – 700 Jahre St. Katharina in Schwäbisch Gmünd. OSTALBum. Abgerufen am 8. August 2026 von https://doi.org/10.58079/16nh4


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