Neu erschienen ist eine Edition der Heidenheimer Kirchenkonventsprotokolle aus den Jahren 1730 bis 1748. Band 34 der Veröffentlichungen des Stadtarchivs Heidenheim an der Brenz widmet sich damit einer bedeutenden familien- und sozialgeschichtlichen Quellengattung. Grundlage ist das Digitalisat der im Evangelischem Archiv Baden und Württemberg (mit Sitz in Stuttgart) aufbewahrten Heidenheimer Kirchenkonventsprotokolle. Sie umfassen zehn Bände (1697 – 1891).
Die Kirchenkonvente wurden im Herzogtum Württemberg von 1642 bis 1890 abgehalten. Durchschnittlich einmal im Monat tagte der Kirchenkonvent, das aus den führenden Vertretern der geistlichen und weltlichen Verwaltung Heidenheims bestehende Gremium. In erster Linie hatte es die Einhaltung der Kirchenzucht zu überwachen, was nichts anderes als die ständige Überwachung der Lebensführung sämtlicher Einwohner bedeutete.
Die fortlaufenden Einträge dokumentieren die Umsetzung der obrigkeitlichen Sitten- und Polizeigesetzgebung durch den lokalen Kirchenkonvent. Da konnte es nicht ausbleiben, dass in den Kirchenkonventsprotokollen auch Themen wie häusliche Gewalt, Trunksucht, Verstöße gegen das Spielen und Missachtung der Sperrstunde in Wirtshäusern zur Sprache kamen. Neben dem Feld der Kirchenzucht oblagen dem Kirchenkonvent die Schulaufsicht sowie die Kranken- und Armenfürsorge. Die Kirchenrichter mit organisatorischen Fragen des kirchlichen Alltags, wie dem Unterhalt der Kirchenbauten, der Kirchenstuhlvergabe und der Kirchenmusik zu beschäftigen.
Alles in allem bilden die Kirchenkonventsprotokolle eine der seltenen Möglichkeiten, Einblicke in das persönliche Leben einiger frühneuzeitlichen Heidenheimer Einwohnerinnen und Einwohner zu gewinnen. Sie sind damit eine wertvolle Ergänzung zur kommunalen Überlieferung. Die Kommentare dieser Herausgabe konzentrieren sich bewusst auf die für die Lokalgeschichte zu gewinnenden Erkenntnissen. Neben einem Personen-, Sach- und geographischen Register erleichtern Verzeichnisse von lateinischen und deutschen Begriffen die Deutung vieler Einträge.
Der Band 34 der Veröffentlichungen des Heidenheimer Stadtarchivs umfasst 293 Seiten (keine Bilder) und wird in den Heidenheimer Buchhandlungen Konold und Thalia sowie im Museumsshop des Heidenheimer Kunstmuseums (Marienstraße 4) für 22 € verkauft. Eine Bestellung ist auch bei archiv@heidenheim.de möglich.
Der Gebäudekomplex St. Katharina mit Kapelle und Wohngebäuden ist ein imposanter Bau. Täglich kommen dort zahlreiche Menschen vorbei, sei es auf dem Weg zum angrenzenden Parkplatz oder zum gegenüberliegenden Sportplatz. Nur wenige kennen vermutlich die wechselvolle Nutzungsgeschichte dieser historischen Anlage, deren Ersterwähnung sich nun zum 700. Mal jährt. Ein Grund zurückzuschauen und die Geschichte dieses Ortes näher zu beleuchten.
St. Katharina trägt diesen Namen nicht zufällig. Die im Mittelalter als Siechenspital genutzte Einrichtung ist benannt nach der heiligen Katharina von Alexandrien, eine der 14 heiligen Nothelferinnen und -helfern. Sie ist unter anderem Beschützerin von Kirchen und Krankenhäusern und wird bei Krankheit angerufen. Im Mittelalter wurden in St. Katharina außerhalb der Stadtmauer Schwäbisch Gmünds Leprakranke untergebracht. Zum ersten Mal erwähnt wird St. Katharina beiläufig in einer Urkunde aus dem Jahr 1326. Darin wird der Gebäudekomplex als habitati[o] leprosorum bzw. „Wohnstätte der Leprakranken“ bezeichnet.[1] Ins Leben gerufen wurde das Siechenspital wohl rund 100 Jahre zuvor in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von einem heute unbekannten Stifter. Seit dem 14. Jahrhundert ist es im Besitz der Stadt.
Im 15. Jahrhundert verschwand die Lepra in Schwäbisch Gmünd allmählich[2] und das Gebäude bekam einen neuen Zweck. Von nun an wurde das ehemalige Spitalgebäude als Pfründhaus genutzt. Pfründhäuser waren caritative Einrichtungen, die gegen einen moderaten Geldbetrag Unterkunft und Pflege gewährten. Die als Pfründner bezeichneten Bewohner waren häufig unvermögend. Mitunter handelte es sich aber auch um gewöhnliche Bürger, die im Pfründhaus lebten, um dort im Alter versorgt zu werden. Allen dauerhaften Bewohnern war gemein, dass sie Bürgerinnen und Bürger der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd waren.
Der Gebäudekomplex im sogenannten „Gütter Büchl“ (1748). In dem Güterbuch wurde der zu St. Katharina gehörende Grundbesitz aufgeführt (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. A01 B 225).
Die Zeichnung aus dem Jahr 1748 zeigt, wie St. Katharina in dieser Zeit etwa aussah. Die wesentlichen Gebäude stehen bis heute. Am linken Eck ist das zweiflügelige Spitalgebäude bzw. Pfründhaus zu sehen. In dieser Form existiert es seit dem 17. Jahrhundert. Daneben befindet sich die Kapelle, hier abgebildet noch vor ihrer barocken Umgestaltung, die ab 1749 vorgenommen wurde. Rechts neben der Kapelle steht das sogenannte Hofmeisterhaus. Das kleine Gebäude unten links wurde als Armenhaus bezeichnet. Die übrigen drei Gebäude existieren heute nicht mehr.[3] Wo sie früher standen, befindet sich seit 1980 der erwähnte Parkplatz.
1802 wurde die bis dato freie Reichsstadt Schwäbisch Gmünd württembergisch. Ab 1804 fanden in der Kapelle vorerst keine Gottesdienste mehr statt.[4] Das Pfründhaus existierte weiter. 1823 wurden im Dachgeschoss des Spitalgebäudes zwei Zimmer und neun Schlafkammern zu einer Art „Krankenhaus“ ausgebaut.[5] 1854 endete die bisherige Nutzung St. Katharinas. Die Pfründner und Kranken wurden in das Stadtspital verlegt.
Das Foto zeigt St. Katharina in den 1950er Jahren. Die Scheune, der Schuppen und die Gärten, an deren Stelle sich heute der Parkplatz befindet, sind hier noch zu sehen (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. E02: Sammlung Seitz, Nr. 3424).
Anschließend wurde St. Katharina bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Armenhaus[6] genutzt, zwischenzeitlich auch als Unterkunft für Wanderarbeiter und im Ersten Weltkrieg als Truppenquartier. In der NS-Zeit wurde es als Obdachlosenheim geführt. Bis in die frühen 2000er Jahre diente es als Wohngebäude, bevor der Leerstand eintrat. 2010 wurde die Renovierung beschlossen. Die Renovierungsarbeiten am Spitalgebäude werden derzeit durchgeführt. Zukünftig sollen dort Wohneinheiten entstehen, die beispielsweise an Studierende vermietet werden könnten. Das imposante Fachwerkhaus mit langer Historie wird bald also wieder mit Leben gefüllt.
Literatur
Deibele, Albert mit Kissling, Hermann: Das Katharinenspital zu den Sondersiechen in Schwäbisch Gmünd. Seine Geschichte, Verzeichnis der Urkunden, Akten und Bände mit Beilagen 1326 bis zur Gegenwart. Schwäbisch Gmünd 1969 (Inventare der nichtstaatlichen Archive in Baden-Württemberg Nr. 14).
Heiss, Heinz-Dieter: Vom Leprosenspital zum Krankenhaus. Aus der Geschichte des Schwäbisch Gmünder Krankenhauses. Schwäbisch Gmünd 2000 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Schwäbisch Gmünd Nr. 8).
Staudenmaier, Kuno: Historisches Juwel in Schwäbisch Gmünd wird neues Wohnprojekt. Gmünder Tagespost vom 23.02.2026.
Strobel, Richard [u. a.]: Die Kunstdenkmäler der Stadt Schwäbisch Gmünd. Bd. 4: Kirchen und Profanbauten außerhalb der Altstadt, Ortsteile. München/Berlin 2003 (Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg).
[1] Das Original der Urkunde befindet sich heute im Staatsarchiv Augsburg. Regest bei Deibele, Katharinenspital, S. 115. Maschinenschriftliche Abschrift sowie Übersetzung im Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. G 01 Bd. 16, Reg. 1 sowie G 02, 1326 Februar 5.
[2] Heiss, Vom Leprosenspital zum Krankenhaus, S. 14.
[3] Zur Baugeschichte von St. Katharina siehe Strobel, Kunstdenkmäler, S. 61ff.
“Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen”
…das gilt auch für Archive. Das Kreisarchiv Heidenheim schlägt deswegen ein neues, digitales Kapitel auf: mit einer nutzerfreundlichen Webseite, einem online Bibliothekskatalog und Veröffentlichungen auf diesem Blog. Das digitale Angebot soll in der Zukunft noch weiter ausgebaut werden.
Aus der Mode gefallen: Verzierungen in amtlichen Dokumenten. Kreisarchiv Heidenheim, Befehlsbuch Nr. 8
Digitalität ist in allen Teilen der Gesellschaft angekommen, das ist keine neue Erkenntnis. Man sucht heute, besonders beim ersten Einstieg in ein Thema, primär online nach Informationen, frei nach dem Motto „Was ich nicht online finden kann, gibt es nicht“. Dementsprechend haben sich auch viele Archive angepasst, um den aktuellen Erwartungen und Bedürfnissen ihrer Nutzer zu entsprechen. Gleichzeitig kämpfen Archive weiter gegen die alten Vorurteile wie z.B. altbacken zu sein. Nutzerfreundlichkeit der neuen Archivangebote und Nutzbarkeit der Archivalien werden daher großgeschrieben; ein Archiv existiert ja nicht nur, um historische Schätze zu bewahren, sondern auch – und vielleicht sogar primär – um genutzt zu werden.
Die überarbeitete Webseite des Kreisarchiv Heidenheims soll den Einstieg in Archivrecherchen vereinfachen. Erweiterte und neu strukturierte Inhalte, FAQs, das Design etc. ermöglichen Nutzern sich orts- und zeitunabhängig über das Archiv zu informieren und sollen die Hemmschwelle einer offiziellen Anfrage senken. Ein weiterer Schritt ins digitale Zeitalter ist der neue Bibliothekskatalog, in welchen man bequem online die Buchbestände des Kreisarchivs durchsuchen kann.
In Zukunft sollen auch die Findbücher online durchsuchbar gemacht und besonders nachgefragte Archivalien als Digitalisate zugänglich gemacht werden. Besonders nutzerfreundlich wäre eine Zusammenführung dieser Daten mit denen anderer Archiven auf einer Platform wie dem Archivportal-D. Auf diese Ziele wird gerade hingearbeitet; man möchte ja mit der Zeit zu gehen, anstatt mit der Zeit gehen zu müssen.
Die Einweihungsfeier am 16. Mai 1926. Vorne, von hinten: Landesrabbiner Dr. Paul Rieger, auf der Treppe von rechts Karl Rothschild, Abraham Kahn, Gustav Mayer, Margot Gutmann, Kantor Hermann Uhlmann, Alfred Meth, verdeckte Person, Siegfried Gutmann. Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, D56 Bü 95 (Nachlass Ernst Lämmle).
Am 16. Mai 1926 weihte die Gmünder jüdische Gemeinde ihre neue Synagoge in der Katharinenstraße ein. „Ein langgehegter Wunsch, der einem großen Bedürfnis entsprach, ging endlich in Erfüllung“, berichtete die Rems-Zeitung am Folgetag: Die Gmünder Juden hatten allen Grund zu glauben, nun als anerkannte Mitglieder der Stadtgesellschaft eine dauerhafte Heimat gefunden zu haben. Sie blickten auf mehr als ein Jahrhundert historischer Erfahrung zurück, in der ihre Vorfahren und sie sich Schritt für Schritt von „Schutzjuden“ mit geringer existentieller Sicherheit zu gleichberechtigen Staatsbürgern emanzipiert hatten. Dieser Gleichstellungsprozess hatte es überhaupt mit sich gebracht, dass sich 1888 in Gmünd eine jüdische Gemeinde gründen konnte – in einer Stadt, die über 300 Jahre keine Juden in ihren Mauern geduldet hatte. Doch gerade, als die historische Errungenschaft gleicher Rechte und gesellschaftlicher Anerkennung endlich gesichert schien, wurde sie innerhalb kürzester Zeit auf brutale Weise vernichtet. Nur wenige Jahre nach ihrer Weihe wurde die Synagoge unter den Nationalsozialisten geschändet, die Gemeinde zu Verkauf und Auflösung gezwungen, ihre Mitglieder in die Flucht getrieben oder ermordet, das Gebäude selbst noch zehn Jahre nach dem Fall des Naziregimes abgerissen.
Das 2015 eingeweihte “Zeichen der Erinnerung” am Josefsbach (links) zitiert die Eingangstreppe der 1955 abgerissenen Synagoge in der Katharinenstraße 4/1 (rechts).
Anlässlich des Jahrestages fand am 17. Mai 2026 eine Gedenkveranstaltung mit Beiträgen von OB Richard Arnold, der IRGW-Vorstandsvorsitzenden Professor Barbara Traub, Stadtarchivar Dr. Niklas Konzen und Inge Eberle im Refektorium des Predigers in Schwäbisch Gmünd statt. Auf Wunsch von Nachfahren jüdischer Gmünder in Übersee wurde die Veranstaltung aufgezeichnet und auf Youtube eingestellt.
Josef Überall (1936-2008) war ein Unikat der Gmünder Kunstszene. Als Vertreter der sogenannten “Arte‑Povera” verwandelte er alltägliche, unscheinbare Gegenstände in ausdrucksstarke Kunstobjekte. Sein künstlerisches Schaffen löste unterschiedliche Reaktionen aus: für manche galt der autarke, viele Jahre über auf einer Waldhalde bei Alfdorf lebende Überall als Störenfried und Sonderling, für andere jedoch als Lebenskünstler, der es verstand, mit seiner Kunst neue Perspektiven auf das menschliche Dasein zu eröffnen.
Die Projektgruppe „Josef Überall 90“ widmet ihm vom 8. bis 10. Mai 2026 im UNIKOM‑Kunstzentrum Schwäbisch Gmünd ein umfassendes Ausstellungswochenende zum 90. Geburtstag. Die Ausstellung, in der zahlreiche Originalarbeiten gezeigt werden, wird durch Audio‑, Film‑ und Bilddokumente ergänzt und von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm begleitet. Dazu gehören Impulse und Beiträge von Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern sowie von Sammlerinnen und Sammlern.
Teile des Nachlasses Überalls befinden sich seit den späten 1990er‑Jahren im Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd. Im Zuge der Jubiläumsfeier wurde der Bestand erstmals erschlossen und in einem Findbuch zugänglich gemacht. Er spiegelt die bunte Persönlichkeit des Künstlers wider: Neben umfangreichen Dokumenten zu Ausstellungen, Auftritten und Projekten enthalten die Unterlagen zahlreiche Skizzen, die – genauso eigenwillig wie Überall selbst – im Stadtarchiv ihresgleichen suchen.
Josef Überall bei der Vorbereitung der Ausstellung “Objekte aus Schiefer und Tuch” (1996). Quelle: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. D54, Bü 7.
Die neue ARTE-Dokumentation „Das Einhorn. Kulturgeschichte einer Sehnsucht“ von Mathias Frick thematisiert das Einhorn als zeitloses Objekt menschlicher Faszination sowie als Symbolträger für so gegensätzliche Konzepte wie „Heilung, Zerstörung, Unschuld, Queerness“. Anlass der Produktion war die Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“, die vom 25. Oktober 2025 bis 1. Februar 2026 im Barberini-Museum in Potsdam gezeigt wurde; bis 12. Juli 2026 ist sie noch unter dem Titel “Licornes !” im Pariser Musée de Cluny zu sehen.
Der Film sucht jedoch auch jenseits musealer Vitrinen und Ausstellungsräume die Begegnung mit Einhörnern in Alltag und Gegenwart. Thematisch einbezogen wurde dabei auch das Einhorn als Symboltier von Schwäbisch Gmünd, das zwei Wochen vor Eröffnung der Potsdamer Ausstellung den 750. Jahrestag seines Erstbelegs feiern konnte (Niklas Konzen: „Das Einhorn von Schwäbisch Gmünd: 750 Jahres eines Stadtsymbols“, hier). Der Film wird am 19. April 2026 um 16.45 Uhr auf ARTE ausgestrahlt, kann aber schon ab 20. März über die ARTE-Mediathek gestreamt werden (hier [dt.] bzw. hier [frz.]). Schwäbisch Gmünd wird zwischen Filmminute 11:22 und 14:29 thematisiert.
Filmpremiere im Barberini-Museum am 25. Januar 2026.
“Was 1984 als unscheinbarer Zufallsfund auf einem Stuttgarter Flohmarkt begann, entwickelte sich im Rahmen eines zweisemestrigen Lehrforschungsprojekts an der Universität Tübingen zu einer spannenden historischen Spurensuche der Provenienzforschung. Unter dem Titel „Zeitsplitter – fotografische Erinnerungen auf Glas“ präsentieren Studierende des Bachelorstudiengangs Medienwissenschaft seit dem 6. Februar 2026 einen vergessenen Schatz. […] Ausgangspunkt des Projekts war eine alte Kiste mit 171 Glasplatten-Negativen, deren Herkunft zunächst im Dunkeln lag – keine Namen, kaum Daten, nur die stummen Bildzeugen einer vergangenen Zeit. Die Aufnahmen, mutmaßlich zwischen 1900 und 1910 entstanden, führen uns in eine Welt, die es so nicht mehr gibt: Landschaften ohne Industrie, frühe touristische Blicke und Alltagsleben vor 125 Jahren.” [Aus dem Ankündigungstext, übernommen mit freundlicher Genehmigung]
Einen kleinen, aber spannenden Part spielten bei diesem Projekt auch die Stadtarchive Ellwangen und Crailsheim, nachdem sich herausgestellt hatte, dass eine größere Anzahl Aufnahmen aus dieser Gegend stammte. Bei der Identifizierung von Gebäuden und Landschaften konnten etliche sachdienliche Hinweise gegeben werden. Die Fotogafien sind von bemerkenswerter Qualität und historisch interessant, denn sie zeigen nicht nur ungewöhnliche Alltagsaufnahmen, sondern auch Stadtansichten aus einer Zeit, die im Falle Ellwangens leider schon als arm an Bildquellen bezeichnet werden muss. Das Stadtarchiv Ellwangen freut sich besonders über die Zusage, die Glasnegativ-Sammlung nach Abschluss des Projekts in seinen Bestand übernehmen zu dürfen.
Am 7./8. März 2026 findet bundesweit der 13. Tag der Archive unter dem Motto „Alte Heimat – neue Heimat“ statt.
Die hauptamtlich betreuten Archive in Nordschwaben (Landkreise Dillingen a.d.Donau und Donau-Ries) veranstalten hierzu eine Archiv-Themenwoche vom 6. bis 15. März, in der sie auf unterschiedliche Weise Einblicke in ihre vielfältige Arbeit geben. Das vollständige Programm können Sie hier herunterladen.
Ein weiterer kürzlich veröffentlichter Blogpost von Klaus Graf widmet sich der Familie des aus Tirol stammenden Johannes Wildanger, der 1756 die Gmünderin Maria Barbara Köhler heiratete, sich in der Reichsstadt ansiedelte und von dort aus ein Handelsunternehmen aufbaute, das in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts über eine Faktorei in Amsterdam mit eigenen Schiffen Seehandel nach Amerika betrieb, bis es im Zuge der napoleonischen Kriege zugrunde ging.
Betreffs Johannes Wildanger liegt im Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd eine Nachlassakte zur Auflösung seines Gmünder Haushalts nach seinem Tod im Juli 1784 vor (A08 Nr. 1169). Darin werden als Nachkommen sein Sohn Johann Joachim, von dem ein Brief aus Amsterdam der Akte beiliegt, sowie dessen Schwester Katharina verheiratete Bichler / Büchler erwähnt. Ein ebenfalls aus Amsterdam schreibender Josef Anton Wildanger bezeichnet Katharina als seine Base.
Klaus Graf hat auf “Archivalia” eine Sammlung ausgewählter Quellen zur Präsenz von Textilgewerbe in der Reichsstadt Gmünd vom ausgehenden 13. bis ins frühe 19. Jahrhundert veröffentlicht. Die Sammlung basiert auf einer breiten Grundlage von Urkundenregesten und -editionen, Forschungsliteratur sowie Findmitteln und Digitalisaten von Landesarchiv Baden-Württemberg und Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd. Erfasst wurden vor allem Berufs- und Tätigkeitsbezeichnungen wie Kürschner, Schneider, Bleicher, Färber, Gürtler, Nestler, Seiler, (Barchent-, Woll-, Leine-, …) Weber, Tuch- und Gewandhändler, Näherinnen, Stickerinnen, Strickerinnen, Hutmacher, Gerber, Schuster, Sattler und viele weitere, stärker spezialisierte Handwerke (z. B. Bortenmacher), außerdem gewerbliche Infrastruktur wie z. B. Walkmühlen oder auch die Präsenz Gmünder Händler auf externen Märkten und Messen.
“Hartman der parchandweber” [Barchentweber] erscheint 1419 im Verzeichnis der jährlichen Zinse und Gülten der Kaplanei des St. Leonhardsaltars in der Gmünder St. Leonhardskapelle. Auszug aus Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, A02 U18.
Graf erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern weist darüber hinaus auf das Potenzial weiterer, noch unerschlossener Quellen wie der reichsstädtischen Ratsprotokolle hin. Auch so ist die Sammlung dank der verlässlich profunden Quellenkenntnis ihres Verfassers ein aussagekräftiger und weiterführender Grundlagenbeitrag zur Gmünder Wirtschaftsgeschichte: Sie vermittelt einen lebhaften Eindruck von der langen Tradition und Bedeutung textilbezogener Wirtschaftstätigkeit in der Reichsstadt Gmünd, die sonst in der Literatur meist in erster Linie als Stadt des Metallhandwerks (zunächst Sensen-, später Gold- und Silberschmiede) beschrieben wurde.