Im Gedenken an den Erzbergermord am 26. August 1921 veranstalten Stadtarchiv, VHS und PH Schwäbisch Gmünd gemeinsam mit dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg eine Podiumsdiskussion, die Bezüge zu heutigen Entwicklungen herstellen soll. Ursprünglich vorgesehen für das Erzbergerjahr 1921, wurde die Veranstaltung auf den 5.4.2022 verschoben.
Am 26. August 1921 wurde Matthias Erzberger von Rechtsterroristen erschossen. Der württembergische Katholik Erzberger war einer der profiliertesten demokratischen Politiker der Weimarer Republik, deren Gründung und demokratische Ausrichtung er maßgeblich mitgestaltet hatte. Erzberger hatte außerdem einen Bezug zu Schwäbisch Gmünd, denn er hatte während seiner Ausbildung zum Volksschullehrer zwei Jahre seines Lebens dort verbracht. Durch seine Friedensinitiativen während des Ersten Weltkriegs und seine Rolle bei der Einführung der Demokratie war Erzberger zur Hassfigur der antidemokratischen Rechten geworden. Rechtsextreme Gruppen, Parteien und Presseorgane diffamierten ihn als Reichsfeind und machten ihn zu einem wichtigen Protagonisten ihrer Verschwörungserzählung, der Dolchstoßlüge. Die systematische Hetze und zunehmenden Drohungen gegen Erzbergers Person mündeten schließlich 1921 in seine Ermordung.

Die Diffamierung und Bedrohung von Personen des öffentlichen Lebens – die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walther Lübcke 2019 ist ein trauriger Meilenstein – hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, oft in Verbindung mit Verschwörungserzählungen, die das Vertrauen in demokratische Institutionen und Politiker zu untergraben suchen. Das Gedenken an den 100. Todestag Erzbergers ist daher Anlass und Anknüpfungspunkt einer Veranstaltung, deren Gegenstand diese Themen sein werden: „Hass, Hetze, Mord. Vom Attentat auf Erzberger bis zur Diffamierung von Politikern heute“ am Dienstag, 5.4., 19.30 bis 21.30 Uhr in der Gmünder VHS am Münsterplatz.
Nach Begrüßung durch Herrn Oberbürgermeister Richard Arnold und einer Einführung durch den Erzberger-Biografen Dr. Christopher Dowe gehen die Teilnehmer bei einer Podiumsdiskussion der Frage nach, in welcher Form sich heute ähnliche Entwicklungen vollziehen, welche Gegenmaßnahmen von staatlicher Seite erfolgen und welche Folgen die Situation für Betroffene hat.
Es diskutieren:
Landrat Dr. Joachim Bläse
Dr. Christopher Dowe, Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Leitender Kriminaldirektor Thomas Georgi, Staatsschutzleiter des Landeskriminalamts Baden-Württemberg
Ricarda Lang MdB (online)
Michael Länge, Redaktionsleiter Gmünder Tagespost
Moderation: Prof. Dr. Helmar Schöne, PH Schwäbisch Gmünd
Eine Kooperation von Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, VHS Schwäbisch Gmünd, PH Schwäbisch Gmünd und Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Gebührenfrei – Anmeldung erforderlich unter Tel. 07171 92515-0 bzw. info@gmuender-vhs.de.
Ergänzung am 05.04.2022: Digitalisierte Quellen und Literatur zu Matthias Erzberger und Schwäbisch Gmünd:
- “Reichsfinanzminister a. D. Erzberger ermordet!” in: Remszeitung Nr. 197/1921 (27.08.1921), S. 1-2.
- “Die Ermordung Erzbergers,” in: Remszeitung Nr. 198/1921 (29.08.1921), S. 1).
- Bericht der Remszeitung über “Matthias Erzbergers Jugendbeziehungen zu Gmünd” (31.08.1921, Nr. 200/1921, S. 3): Siehe Wiedergabe im Blogpost vom 25.08.2021.
- Albert Deibele, Matthias Erzberger – Reichsfinanzminister und stellvertretender Reichskanzler als Schüler in Gmünd und Saulgau, in: Gmünder Geschichtsblätter 1961, Nr. 9, S. 68-69.
- Franz Merkle: „Wenn der Matthias kommt, kann man nicht nein sagen.“ Matthias Erzberger und seine Beziehung zu Gmünd, in: einhorn-Jahrbuch 2017, S. 183-188.

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niklaskonzen (25. März 2022). Schwäbisch Gmünd: Podiumsveranstaltung zum Mord an Matthias Erzberger. OSTALBum. Abgerufen am 13. September 2026 von https://doi.org/10.58079/sl8x
