Eine gemeinsame Vortragsveranstaltung des Stadtarchivs und der PH Schwäbisch Gmünd.
Am 13. September 1878 wies die Remszeitung in einer fast ganzseitigen Anzeige auf eine unmittelbar bevorstehende Abendveranstaltung hin. Die „altbaierische Passionsspiel-Gesellschaft“ werde an vier aufeinanderfolgenden Abenden im Hotel zum Goldenen Rad am Marktplatz „[g]roße Darstellungen aus dem Leben und Leiden unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus“ aufführen. Bei der „Gesellschaft“ handelte es sich um eine 30 Personen starke mobile Theatergruppe unter der Leitung des Direktors Eduard Allesch, die offenbar jahrzehntelang mit ihrem Programm von Stadt zu Stadt zog: Noch 25 Jahre später weist eine Annonce in der “Heidelberger Zeitung” auf eine Aufführung dieser Gruppe im Heidelberger Hotel “Prinz Max“ am 6. November 1903 hin.

Allesch und seine Schauspieltruppe knüpften an eine einst weitverbreitete europäische Theatertradition an, die tief ins Mittelalter zurückreichte. Auch in Gmünd waren Passionsspiele bis zum Ende des Alten Reichs jahrhundertelang ein fester Bestandteil der Osterliturgie gewesen. In enger Beziehung zur Karfreitagsprozession war die Passionsgeschichte jedes Jahr an Gründonnerstag und Karfreitag auf dem Münsterplatz aufgeführt worden, in unmittelbarer Nähe des heutigen Stadtarchivs. Das Gmünder Passionsspiel ist deswegen von erheblicher musik- und theatergeschichtlicher Bedeutung, weil es sich besonders detailliert rekonstruieren lässt: Denn hierzu sind nicht nur Noten und Reimtexte erhalten geblieben, sondern auch Beschreibungen von Augenzeugen, Verzeichnisse von Kostümen, Requisiten und Musikintrumenten sowie eine Abbildung der Passionsspielbühne von 1783 in der Debler’schen Chronik.

Ein in Privatbesitz befindliches Tafelgemälde, das offenbar bei der Aufführung von 1878 verwendet wurde, konnte nun als Kulisse identifiziert werden, die mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Zusammenhang des frühneuzeitlichen Gmünder Passionsspiels stammt. Es handelt sich um eine auf Holz gemalte Darstellung des Letzten Abendmahls, deren Ränder entlang der Figurensilhouetten ausgeschnitten sind. Wohl im 18. Jahrhundert entstanden, wurde das Gemälde 1878 durch den Gmünder Maler Carl Tiefenbronn (1831-1885) restauriert, wahrscheinlich veranlasst durch die oben geschilderte Aufführung – den Hinweis auf die “altbaierische Passionsspiel-Gesellschaft” entdeckte Johannes Schüle, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Stadtarchivs.

Dieses Abendmahlsgemälde wird Prof. Dr. Hermann Ullrich, Musikwissenschaftler an der PH Schwäbisch Gmünd, in einer gemeinsamen Veranstaltung von Stadtarchiv und PH am 13. April 2022 um 19.30 Uhr im Festsaal im Prediger vorstellen. Aus der Verbindung von historischen Text-, Musik- und Bildquellen versucht der Vortrag, einen Eindruck vom Gründonnerstag in der alten Reichsstadt Gmünd zu vermitteln.
Gebührenfrei – keine Anmeldung erforderlich.
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niklaskonzen (6. April 2022). Entdeckt: Das Letzte Abendmahl – ein Gemälde zum Gmünder Passionsspiel? OSTALBum. Abgerufen am 11. September 2026 von https://doi.org/10.58079/sl8z

Bei dem in soßigen Tönen gemalten Bild, mit dem verträumt blickenden Jesus und seinen strahlend, wackeren, Aposteln stand wohl weniger de Passion im Vordergrund, sondern die Propaganda gegen den preußischen Kulturkampf.
Das Gemälde wurde zwar 1878 restauriert, stammt aber aus reichsstädtischer Zeit, sodass kein Zusammenhang mit dem preußischen Kulturkampf bestehen kann.
Das ist ein großartiger Fund! Mein Kompliment an die beteiligten Kolleg*innen und insbesondere an Herrn Schüle!
Vielen Dank! Ich werde es Herrn Schüle weitergeben.