Wer nach „St. Ludwig“ in Gmünd recherchiert, kann unter dieser Bezeichnung die verschiedensten Institutionen finden: ein 1803 aufgehobenes Franziskanerinnenkloster; eine Nähschule für Mädchen; eine Mädchenrealschule; ein Kinderheim; ein Hilfslazarett; ein Krankenhaus; ein Altenheim; ein Pflegeheim. Mit Ausnahme der ersten beziehen sich alle diese Erwähnungen auf die gleiche Einrichtung, nämlich das heutige Pflegeheim dieses Namens. Dieses St. Ludwig hat in seiner über 130-jährigen Geschichte einer Vielzahl von Zwecken gedient, deren häufige Wechsel lokale Auswirkungen der Kriege und Krisen des 20. Jahrhunderts widerspiegeln. Hans-Jürgen Sabel, geschäftsführender Vorstand des Fördervereins St. Ludwig, hat nun erstmals eine eigenhändig verfasste, detaillierte Gesamtdarstellung dieser Geschichte vorgelegt (vgl. diesen Sachstandsbericht von 2020).
Der 1892 eingeweihte Altbau von St. Ludwig (Uferstr. 16) ca. 1903/09; Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. E02 (Sammlung Seitz), Nr. 4562.
Gegründet wurde St. Ludwig 1892 als Fortbildungs- und Nähschule für Mädchen durch die Franziskanerinnen von Sießen, die sich mit der Wahl des Namenspatrons in die Nachfolge des von 1445 bis 1803 bestehenden Gmünder Franziskanerinnenklosters St. Ludwig („Klösterle“) stellten. 1898 wurde St. Ludwig eine katholische „Privat-Töchterschule“, 1909 erweitert durch einen Neubau. Die beiden Weltkriege wie auch die Übergriffe des NS-Regimes trugen dazu bei, dass aus der Bildungsanstalt letztendlich eine Pflegeeinrichtung wurde. Eine erste Nutzung als Lazarett 1914-1919 war noch Episode geblieben. 1937 dann erzwang das nationalsozialistische Kultministerium die Schließung der katholischen Privatschule. Daraufhin nutzten die Franziskanerinnen das Schulgebäude durch Verlegung des Ellwanger Marienheims nach Gmünd kurzzeitig als Kinderheim. 1939 jedoch musste die Kongregation das Schulgebäude auf politischen Druck an die Stadt verkaufen. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde St. Ludwig dann ab 1942 erneut als Hilfslazarett sowie als Hilfskrankenhaus für Zivilisten, darunter auch Fremd- und Zwangsarbeiter, herangezogen.
Schreiben des Amtsarztes des Landkreises Gmünd, Dr. Gerlach, an OB Franz Konrad zur Einrichtung des Hilfskrankenhauses St. Ludwig 1942; Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. A07 (Zentralregistratur) Bü 484/5.
Nach Ende der militärischen Nutzung 1945 und der Restitution des Schulgebäudes an die Franziskanerinnen wurde der Schulbetrieb wiederaufgenommen, bis 1955 die Schule an das neue Hans-Baldung-Gymnasium verlegt wurde. Das parallel weiterbestehende „Hilfkrankenhaus St. Ludwig“ wurde zum Kreiskrankenhaus des Landkreises Gmünd verstetigt. Mit dem Umzug des Krankenhauses nach Mutlangen im Jahr 1966 und einer baulichen Umgestaltung in den folgenden Jahren, der leider auch der Altbau zum Opfer fiel, wurde St. Ludwig dann zum Alten- und schließlich zum Pflegeheim – seit 1986 in der Trägerschaft der Stiftung Haus Lindenhof.
All diese institutionellen Wechselfälle mit ihren Hintergründen hat Hans-Jürgen Sabel in über 8 Jahren Recherche, u.a. im Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd und im Diözesanarchiv Rottenburg, zusammengestellt, auf über 600 Seiten anschaulich dargestellt und am 1. Dezember 2023 der Öffentlichkeit präsentiert. Mit seinem verdienstvollen Werk schließt Sabel eine für Gmünd bedeutende Forschungslücke, denn bisher lagen nur knappe Zusammenstellungen der wichtigsten Wendepunkte sowie einige kurze Schlaglichter auf einzelne Kapitel der Geschichte dieser Einrichtung vor. Der Band ist nicht im Buchhandlung erhältlich, kann jedoch für eine Spende an den Förderverein St. Ludwig bezogen werden (Kontakt hier). Darüber hinaus ist er allen Interessierten als PDF online zugänglich.
Großdeinbach in einer 1791 gezeichneten Karte des württembergischen Vermessungsingenieurs Johann Friedrich Gottlob Haug. Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. 07.05.05 (Historische Karten vor 1800) Nr. 3
Nach über vierjähriger Planung erscheint zum 24.11.2023 die neue Ortschronik für Großdeinbach. Die Ortschronik ist ein Gemeinschaftswerk, das Dutzende Mitwirkende aus Schwäbisch Gmünd und Umgebung (und vor allem natürlich aus Großdeinbach selbst) seit 2019 erarbeitet haben, koordiniert durch das Bezirksamt Großdeinbach und das Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, als Veröffentlichung umgesetzt durch den Gmünder Einhorn-Verlag. In drei Teilen – “Geschichte und Natur” (10 Beiträge), “Erlebtes und Erzähltes” (3 Beiträge), “Großdeinbachs Vereine” (23 Beiträge) – werden auf 260 großformatigen, reich illustrierten Seiten die naturräumlichen Merkmale des Teilorts, seine Geschichte von der römischen Antike bis ins 20. Jahrhundert und die Vereine und Institutionen, die in der Gegenwart das Gemeindeleben prägen, von engagierten und sachkundigen Autorinnen und Autoren beleuchtet.
Am 24. November 2023 ab 19.30 Uhr wird der Band in der Gemeindehalle von Großdeinbach der Öffentlichkeit vorgestellt.
Aus dem Inhalt: Erster Teil: Geschichte und Natur
Großdeinbach als Grenzland: Mittelalterliche Grundlagen (Niklas Konzen)
Landschafts- und Erdgeschichtliches von Großdeinbach (Werner K. Mayer)
Die Römer, der Limes – was geschah und was daraus geworden ist (Katja Baumgärtner)
Die Burg Waldau/Hohenwalden (Jürgen F. Schmidt)
Vom Staufen und Rechberg zur Lein. Grenzen und Grenzzeichen der Gmünder Freien Pirsch und Mundat auf der Gemarkung von Großdeinbach (Raimund J. Weber)
Zeiten des Übergangs: Die Stabsgemeinde Großdeinbach im Königreich Württemberg (Wilhelm Lienert)
Großdeinbach im 20. Jahrhundert (Ulrich Müller)
Lebensräume und Naturschutz auf der Markung Großdeinbach (Dieter Rodi)
Wustenriet – Vom Bauernweiler zur Schlafstadt (Karlheinz Hegele)
Radelstetten in Mittelalter und Früher Neuzeit (Hans Boxriker)
Zweiter Teil: Erlebtes und Erzähltes
750 Jahre Großdeinbach: Geschichte und Geschichten (Berthold Moser)
Das Geheimnis unterm Kirchendach – oder wer kennt Karl Tomforde? (Berthold Moser)
Skizzen aus meinem Dorf (Christina Barbara Kiehs-Glos)
Dritter Teil: Großdeinbachs Vereine
Von Löwen-Hockern zu Löwen (Pascal Schneider)
Das Doibacher Theaterbühnle e.V. (Nicole Brucker)
Dorfgemeinschaft Kleindeinbach e.V. (Helmut Gold)
Die evangelische Kirchengemeinde in Großdeinbach (Berthold Moser, Pfarrer Jochen Leitner)
Feuerwehr Großdeinbach (Ralf Bauer)
75 Jahre Gartenfreunde Großdeinbach (Klaus Heinrich)
Die Katholische Kirchengemeinde Großdeinbach (Elfriede Wranja, Rosemarie Betsch)
Kindergarten KIGAWU in Wustenriet (Christiane Gehrung)
Kindergarten Pfiffikus (Rita Füseler)
Kindergarten Villa Holder (Carola Herber, Ulrike Philipp)
Update 27.11.2023: In der ursprünglichen Fassung dieses Beitrags war zu lesen, die Veröffentlichung der Ortschronik sei zum Jubiläumsjahr 2021 vorgesehen gewesen und habe sich durch die Coronapandemie um zwei Jahre verzögert. Tatsächlich entspricht der Veröffentlichungstermin dem bereits 2019 beschlossenen Zeitplan. Wir bitten den Irrtum zu entschuldigen.
Am 18. August 1943 machte Hermann Koehler, Daimlervorstand und Direktor der Stuttgarter Filiale der Deutschen Bank, in einem Abteil des Zugs von München nach Stuttgart seinem angestauten Groll gegen das NS-Regime in drastischen Worten Luft: Man werde von Eunuchen regiert, der Nationalsozialismus sei nur ein Furz und werde ebenso verschwinden wie der (italienische) Faschismus. Obendrein verspottete er Hitler als „unsere[n] von oben inspirierte[n] Obere[n]“. Zwei mitreisende Spitzel verrieten Koehler; er wurde vorgeladen und inhaftiert. Am 8. Oktober, Koehlers 67. Geburtstag, verhängte der berüchtigte Präsident des Volksgerichtshofs, Roland Freisler, das Todesurteil über ihn, das einen Monat später im Zuchthaus Brandenburg-Görden vollstreckt wurde. Der NS-Staat bediente sich durch willkürliche Strafforderungen an seinem Vermögen. Sein gesellschaftlicher Status und seine Verbindungen halfen Koehler in dieser Endphase der totalitären Diktatur nichts mehr: Wer dem Regime seine Verachtung zeigte, riskierte sein Leben.
Nach Kriegsende errichtete seine Geburtsstadt Schwäbisch Gmünd 1957 am Josefsbach einen Gedenkstein für Koehler, mit der Inschrift „Hermann Koehler starb für die Wahrheit am 8. November 1943.“ Dieser Stein dürfte den Anfang des offiziellen Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Gmünd markieren. Die Remszeitung schrieb am 21. März 1957, mit Bezug auf die Lage des Steins an einem Kinderspielplatz: „Es ist gut, die Kommenden wissen zu lassen, was in unserem Lande möglich war, damit es nie mehr dahin komme.“
Gedenkstein für Hermann Koehler. Bild: Arnd Kolb
Allzu viel sollten „die Kommenden“ dann allerdings wohl auch wieder nicht wissen: Gut 100 Meter Luftlinie von Koehlers Gedenkstein entfernt war knapp zwei Jahre zuvor die Synagoge der aus Gmünd vertriebenen und ermordeten Juden abgerissen worden, die 1938 noch die Pogromnacht überstanden hatte. Im gleichen Jahr 1955 hatte die Stadt eine Anregung der „Arbeitsgemeinschaft junger Europäer“, anlässlich des 15. Jahrestags der Deportation der letzten jüdischen Bürger Gmünds im Jahr 1941 eine „würdige Gedenkfeier“ abzuhalten, noch mit dem Hinweis erwidert, das allgemeine Gedenken der Kriegstoten am Volkstrauertag und Totensonntag reiche hierfür völlig aus, eine Sonderveranstaltung werde „für nicht angebracht gehalten“.[1]
Vor diesem Hintergrund wirkt der städtische Gedenkakt für Koehler (wofür Koehler natürlich nichts kann) wie der kommunalpolitische Versuch, eine allmählich erwachende gesellschaftliche Nachfrage nach einer kritischen Erinnerungskultur in möglichst ungefährliche Bahnen zu lenken. Zu viele Gmünder blickten damals selbst auf belastete Biographien zurück, zu verbreitet waren antisemitische Ressentiments in der Vorkriegszeit gewesen, um den Juden mehr an Gedenken zuzugestehen als eine pauschale Subsumierung zum Volkstrauertag. Den meisten Gmündern wird es in den 50er Jahren leichter gefallen sein, sich mit Hermann Koehler zu identifizieren als etwa mit der ermordeten jüdischen Familie Kahn, und leichter, die Richter des Volksgerichtshofs im fernen Berlin oder die auswärtigen Denunzianten in Koehlers Zug zu verurteilen, als lokale Verantwortliche der Naziherrschaft aus der eigenen Nachbarschaft.
Koehlers Zugehörigkeit zur nicht diskriminierten Mehrheit machte es einfacher für die Gmünder Nachkriegsgesellschaft, seine Ermordung als Anknüpfungspunkt für ein erstes Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu akzeptieren, zu einer Zeit, als die Erinnerung an die Gmünder Juden noch ein gesellschaftliches Tabu war. Dennoch: Der Stein am Josefsbach war in Gmünd ein erster Schritt auf dem Weg zu einem bewussten Gedenken der Verbrechen des Nationalsozialismus, das in den Folgejahrzehnten Forderungen nach einem „Schlussstrich“ immer nachdrücklicher entgegengetreten ist und heute keine Verfolgtengruppe des NS-Regimes mehr ausschließt.
Eine wissenschaftliche Bearbeitung des Justizmordes an Hermann Koehler, die erstmals alle verfügbaren archivalischen Quellen auswertet, wird derzeit durch Arnd Kolb (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd) vorbereitet und in einer kommenden Publikation des Stadtarchivs veröffentlicht.
[1] Frederick Bacher, Oberbürgermeister Franz Konrad. Aspekte der Verwaltungsgeschichte der Stadt Schwäbisch Gmünd im Nationalsozialismus (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Schwäbisch Gmünd 15), Schwäbisch Gmünd 2020, S. 131-133, Zitat S. 133.
Am 30. Juli 1953 entschied der Gmünder Gemeinderat auf Antrag der BRUNA, des Interessenverbands der Vertriebenen aus Brünn und Südmähren, „die Patenschaft über den deutschen Teil der Stadt Brünn zu übernehmen“. Damit verbunden war das Versprechen, die Vertriebenen bei der Bewahrung ihres Kulturerbes zu unterstützen und ihren biographischen Neuanfang in der eben entstandenen Bundesrepublik zu fördern.
Patenschaftsurkunde vom 9. August 1953 (Ausschnitt); Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. A14.04 Nr. 9.
Städtepatenschaften waren ein typisches Phänomen vor allem der Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu Städtepartnerschaften drückten sie keine wechselseitige Austauschbeziehung, sondern eine einseitige Fürsorgeverpflichtung der jeweiligen Patenstadt aus, meistens in Bezug auf die verlorene Heimat landsmannschaftlich gegliederter Gruppen von Vertriebenen (vgl. die Liste von Städtepatenschaften bei Wikipedia). In Gmünd hatte die BRUNA am 6. Juli 1953 eine entsprechende Bitte an die Stadt gerichtet, die bereits seit 1950 Schauplatz ihrer alljährlichen bundesweiten Treffen geworden war. Darin betonte der Verband den moralischen, immateriellen Charakter der erhofften Unterstützung und wies auf die historischen Verbindungen zwischen Gmünd bzw. der Region Schwaben und der Stadt Brünn hin. Letztere Aufgabe übernahm vor allem Alfons Nitsch, vormaliger Oberschulrat in Brünn und nunmehr ehrenamtlicher Mitarbeiter des Gmünder Stadtarchivs, der in einem zweiten Schreiben den Berufsweg des Heinrich (II.) Parler von Gmünd schilderte, der ab 1381 als Baumeister in den Dienst des Markgrafen Jobst von Mähren trat und in Brünn tätig war. Der Gmünder Gemeinderat anerkannte im Text der Patenschaftsurkunde vom 9. August 1953 die kulturellen Beziehungen zwischen Gmünd und Brünn und brachte seine Wertschätzung der Integrationsleistung der Brünner in Gmünd sowie seine Anteilnahme gegenüber dem Schicksal der Vertriebenen zum Ausdruck.[1]
Das Gmünder Rathaus auf dem Titel des “Brünner Heimatboten”, 1954; Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. A07 (Zentralregistratur), Bü 449_1.
Der Ankunft der deutschen Brünner in Gmünd war eine Tragödie mit langer Vorgeschichte vorausgegangen. Während die Ethnizität der Deutschmährer seit ihrer Ansiedlung durch die Przemysliden im Zuge des hochmittelalterlichen Landesausbaus bis zum Ende der Frühen Neuzeit eine allenfalls untergeordnete Rolle im alltäglichen Zusammenleben gespielt hatte, brachte das Aufkommen nationaler Bewegungen im 19. Jahrhundert rivalisierende nationalistische Ansprüche mit sich, die das Verhältnis zwischen den einzelnen ethnischen Gruppen belasteten. Die Zerschlagung der Tschechoslowakei durch Nazideutschland ab 1938 und die Schreckensherrschaft der von Hitler eingesetzten Statthalter zerstörten die Beziehungen zwischen tschechischer Mehrheit und deutscher Minderheit. Die SS plante im Zuge des „Generalplans Ost“ u.a. die Vertreibung oder Ermordung eines großen Teils der tschechischen Bevölkerung aus Böhmen und Mähren. Nach der Umkehrung der Machtverhältnisse durch die deutsche Niederlage waren es jedoch die Deutschböhmen und Deutschmährer, die ohne Ansehen von Schuld oder Unschuld zum Opfer „ethnischer Säuberungen“ wurden. Eines der frühesten und schlimmsten Einzelereignisse der „wilden Vertreibungen“ ab Mai 1945 war die Vertreibung von 27.000 Deutschen aus Brünn und Umgebung, die zu einem Gewaltmarsch an die österreichische Grenze getrieben wurden, wobei etwa 5.200 Menschen starben, der „Brünner Todesmarsch“.
Die meisten Vertriebenen aus Brünn gelangten in die amerikanische und die britische Besatzungszone. In Gmünd kam am 5. März 1946 der erste Transport von Vertriebenen aus Südmähren an, nach der Liste des Lagers in der Hindenburgoberschule 1231 Personen aus Brünn und Iglau. Weitere Transporte folgten. Nach der Niederlassung in Nachkriegsdeutschland begannen die Überlebenden der Vertreibung ab 1947, sich in Kreisverbänden zu organisieren und landsmannschaftliche Treffen abzuhalten, die zunächst in Fürth, München und Stuttgart stattfanden, ab 1950 dann jährlich, meistens in Schwäbisch Gmünd. Bei dem ersten Gmünder Treffen beschlossen die anwesenden Verbandsvertreter die Gründung eines Bundesverbands mit dem Namen BRUNA – Landsmannschaftliche Vereinigung der Brünner und Deutschmährer. Die BRUNA förderte u.a. mit Unterstützung der Stadt Gmünd die Einrichtung einer “Brünner Heimatstube, die Herausgabe thematisch einschlägiger Schriften sowie die Aufstellung von Denkmälern (in Gmünd: Gregor-Mendel-Denkmal in der Allee am Josefsbach, Gedenktafel im Heiligkreuzmünster), seit den 90er Jahren auch an Erinnerungsorten in Brünn und Pohrlitz.[2]
Nach dem Ende des Kalten Krieges begann eine schrittweise Annäherung zwischen Tschechien (bis 1993 Tschechoslowakei) und der BRD. Auf tschechischer Seite machte sich besonders Václav Havel, Staatspräsident von 1989 bis 2003, um die Aussöhnung zwischen beiden Seiten verdient, indem er die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei öffentlich verurteilte. Speziell für die Brünner von besonderer Bedeutung waren einige Entwicklungen in jüngster Vergangenheit: Auf der einen Seite die Entscheidung der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Forderungen nach Entschädigung oder Rückgabe enteigneten Besitzes aufzugeben,[3] auf der anderen Seite die Geste der Stadt Brünn, zum 70. Jahrestag des Todesmarsches ein „Jahr der Versöhnung“ auszurufen, mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen, darunter einem „Marsch der Versöhnung“, der am Jahrestag (30. Mai) der Route des Todesmarsches von der österreichischen Grenze zurück nach Brünn folgte,[4] ein Ereignis, das seitdem jährlich stattfindet.[5]
Aus Anlass des 70. Jahrestags der Städtepatenschaft findet am 30. Juli 2023 um 12 Uhr eine Feierstunde im Barockzimmer des Gmünder Rathauses statt.
[1] Gemeinderatsprotokoll vom 30. Juli 1953; Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. A11, Bd. 174.
[2] Ulrich Müller (Hrsg.), Verlorene Heimat – gewonnene Heimat. Die Vertriebenen in Schwäbisch Gmünd und im Ostalbkreis, Schwäbisch Gmünd 2016; insbes. die Beiträge: Wilhelm Lienert, Das deutsche Brünn und sein Ende, ebd. S. 78-89; Ulrich Müller, Ankunft und Verteilung der Heimatvertriebenen in Schwäbisch Gmünd 1945 bis 1947, ebd. S. 120-127; http://www.bruenn.org/www/bruna/de/verbgesch.php (20.07.2023).
Nach der Machtergreifung der Nazis 1933 war Ernst Haug (1897-1961) zunächst ein überzeugter „Parteigenosse“ mit unauffälligem Lebenswandel, ein verheirateter Angestellter der Stadt Schwäbisch Gmünd und Vater einer Tochter. Seine Verhaftung wegen Verstoßes gegen § 175 kostete ihn 1940 seine Parteimitgliedschaft, seine Stellung und seine Familie – und zwang ihn, seine politische Haltung in viereinhalb Jahren Haft im Soldatenkonzentrationslager Esterwegen zu überdenken.
Ernst Haug kurz nach seiner Einberufung im September 1939 (links) und nach der Rückkehr aus dem KZ 1946 (rechts). Privat / Nachlass Ernst Haug.
„Mein Leben schloss ab mit dem Eintritt in das Lager. Ich hatte alles verloren: Familie, Gut, Stellung, Freiheit und Ehre. Ich stand in ESTERWEGEN, das den Namen trug „Die Hölle am Waldesrand“, allein. Post von Angehörigen blieb erst jahrelang aus, die Post eines Freundes, der mir anfangs schrieb, ging von Lagerseite mit der Notiz „Bei einem Fluchtversuch erschossen“ zurück. (…) 52 Monate Leiden und Erniedrigungen, Unmenschlichkeiten und Hunger ließen in mir den Glauben an die Menschlichkeit, an die Gerechtigkeit des Schicksals trotzdem erhalten. Ich fand dort die Erfüllung, Mensch unter Menschen zu sein, es sollte Sühne sein für meine eigene Tat, die mich dorthin brachte, aber auch Sühne dafür, dass ich Jahre dieser Wahnidee gedient hatte, gedient in der Meinung der Ehrlichkeit der Führung. (…) Ich habe in meinem Tatsachenbericht über das Lager meine Meinung, meine gewonnene und erhärtete Überzeugung dargestellt. (…) Nur drei meiner Leidensgefährten, und zwar nur solche politischer Art, weiß ich noch am Leben.“[1]
Titel zu Haugs Bericht über seine Lagerhaft im KZ Esterwegen (Entwurf, Nachlass Ernst Haug; vgl. endgültige Fassung in: Spruchkammerakte Ernst Haug, StA Ludwigsburg EL 902/7, Bü 5352, online bei der-liebe-wegen.org).
Mit diesen Worten nahm Ernst Haug am 27. November 1946 Stellung zu der gegen ihn im Spruchkammerverfahren vorgelegten Klageschrift und verwies auf den Erfahrungsbericht, den er für die britischen Besatzungsbehörden über seine KZ-Haft verfasst hatte. Dabei machte er keinen Hehl daraus, dass er ursprünglich ein überzeugter Nazi gewesen war: „Ich habe bei meinem Eintritt in die Partei im Mai 1933 an die Richtigkeit der Sache geglaubt (…).“[2]
Werbeanzeige der Torbäckerei in der Vereinsfestschrift des 1. FC Normannia 1954 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. C02 [Zeitgeschichtliche Sammlung], Bü 370).
Ernst wurde 1897 geboren als zweitjüngstes Kind von Christian (1856-1929) und Therese Haug, geb. Kraus (1857-1915), den Wirtsleuten der “Thorbäckerei” am Eingang der Gmünder Bocksgasse, die ihm bis kurz vor seinem Tod ein wichtiger Ankerpunkt und Rückzugsort bleiben sollte. Als 19-jähriger ging er 1916 zum Militär und kämpfte im Ersten Weltkrieg im württembergischen Infanterieregiment 413 in Flandern. Nach der Demobilisierung wurde er 1919 kaufmännischer Angestellter bei den Stadtwerken und bald darauf Mitglied im Sportverein 1. FC Normannia. Hier engagierte er sich bei der Organisation von Fußballturnieren und stellte als Leichtathlet 1924 einen regionalen Streckenrekord von 10,8 Sekunden im Hundertmeterlauf auf, der erst 33 Jahre später überboten wurde. Der Verein sollte eine weitere wichtige Konstante in seinem Leben werden.[3]
Haug (ganz links) mit der Auswahl des 1. FC Normannia gegen den SC Stuttgart (1922), in: Vereinsfestschrift der Normannia 1954 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. C02 [Zeitgeschichtliche Sammlung], Bü 370).
Nachdem Ernst Haug 1929 Elisabeth geb. Herkommer geheiratet hatte, kam wenige Jahre später die gemeinsame Tochter zur Welt. Bereits 1932 erfuhr seine Frau von seiner Homosexualität, entschied sich jedoch ihm zuliebe, eine Fassadenehe aufrecht zu erhalten, um ihn nicht zu gefährden. Nach der NS-Machtergreifung wurde Ernst nicht nur Parteimitglied, sondern hatte verschiedene Ämter in der lokalen Parteiverwaltung inne, zuletzt als Kreishauptstellenleiter, also Mitarbeiter in der Dienststelle des Kreisleiters Hermann Oppenländer. Am 8. September 1939, eine Woche nach Kriegsbeginn, wurde Haug als Feldwebel zum Infanterieersatzbataillon 470 einberufen und wechselte mit Jahresbeginn 1940 zum Infanterieregiment 308, wo er im Mai zum Hauptfeldwebel befördert wurde. Nach der Rückkehr von seinem zweiten Fronturlaub ins besetzte Frankreich kam es dann zu seiner Verhaftung wegen “Unzucht mit Männern”, zur Verurteilung zu viereinhalb Jahren Zuchthaus und, nach drei Monaten Haft in Moulins-sur-Allier, zur Überstellung ins KZ Esterwegen. Seine Ehe mit Elisabeth wurde durch Beschluss des Landgerichts Ellwangen vom 2. Mai 1941 geschieden: Mit Ernsts Verhaftung war Elisabeths Hauptmotiv für die Weiterführung der Ehe – ihn genau davor zu schützen – obsolet geworden. [4]
Verfügung zu Haugs fristloser Entlassung am 26. November 1940, begründet durch seine Verurteilung wegen “widernatürlicher Unzucht”. Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. A11, Bd. 131 (Entscheidungen des Oberbürgermeisters 1940).
Esterwegen war eines der 15 Emslandlager, die die Nationalsozialisten ab 1933 aufgebaut hatten, zunächst zur Inhaftierung politischer Gegner, später zunehmend auch von Homosexuellen. In Esterwegen wurden ab November 1939 Militärstrafgefangene aus dem ganzen Reich zentral zusammengefasst. Die Gefangenen in den Emslandlagern mussten unter menschenunwürdigen Bedingungen Moore trockenlegen und Torf stechen. Diese Erfahrung wurde bereits im August 1933 in dem international bekannten, von Häftlingen des Lagers Börgermoor verfassten Lied „Die Moorsoldaten“ zum Ausdruck gebracht. Bis zum Kriegsende starben in diesen Lagern mehr als 20.000 Häftlinge an Erschöpfung, Krankheit oder infolge von Misshandlungen.[5]
Schreiben des ehemaligen KZ-Häftlings Wolfgang Kampfhenkel vom 28.11.1946 zu Haugs Verhalten in Esterwegen, in: Spruchkammerakte Ernst Haug, StA Ludwigsburg EL 902/7, Bü 5352 (Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Staatsarchivs Ludwigsburg).
Nach der späteren Aussage seines Mithäftlings Karl Auchter, der 1943 zunächst aus politischen Gründen zum Tod verurteilt und dann ins KZ geschickt wurde, war Haug aufgrund seines Unteroffiziersrangs den anderen Häftlingen als Vormann vorgesetzt. Auchter zufolge versuchte Haug geschwächte Gefangene so zur Arbeit einzuteilen, dass sie am Leben blieben, und teilte sein Essen mit ihnen. „So wie er mich vor dem Untergang bewahrt hat – denn ich weiß bestimmt, wäre er nicht gewesen, so könnte ich heute nicht hier sein – so hat er auch anderen Kameraden geholfen,“ gab Auchter vor der Gmünder Spruchkammer am 22. Januar 1947 zu Protokoll. Ein anderer Häftling, Wolfgang Kampfhenkel, schilderte am 28. November 1946 in einem handschriftlichen Brief, wie Haug ihn zu einem Zeitpunkt, als er bei 180 cm Körpergröße nur noch 108 Pfund wog, vor dem geistigen und körperlichen Zusammenbruch bewahrte, indem er ihn von der Moorarbeit befreite und in eine Zugangsbaracke versetzte. „Ich weiß von vielen Moorkameraden, dass er ihnen Alles war und er für jeden Alles tat, so er es nötig hatte. Er war für viele ehrliche und anständige Moorsoldaten ein Mensch aus einer anderen Welt, als die, die dort im Lager VII herrschten,“ so Kampfhenkel. „Ich selbst bin mir voll bewusst, dass ich Ernst Haug mein Leben verdanke, dass, wenn er mir nicht immer wieder Mut zugesprochen hätte und nicht für Nahrung gesorgt hätte, ich heute bei den vielen Kameraden auf dem Teufelsberg liegen würde.“ Ähnlich äußerte sich ein weiterer Ex-Häftling namens Willy Hofmann. Der vierte Leidensgenosse aus Esterwegen, den Haug als Entlastungszeugen im Spruchkammerverfahren anführen wollte – der österreichische Rechtsanwalt Dr. Otto Degen, der 1941-42 dort inhaftiert war – konnte 1946 nicht mehr aufgefunden werden; vermutlich war er nicht mehr am Leben.[6]
Trotz seiner 4 ½ Jahre KZ-Haft und seiner von mehreren Seiten beglaubigten Wandlung zum NS-Gegner stufte die Spruchkammer Haug am 22. Januar 1947 zunächst als „Belasteten“ (Gruppe II) ein und verurteilte ihn zu 1 ½ Jahren Internierungslager. Ausschlaggebend hierbei waren sein früher Parteieintritt in Verbindung mit seinen Parteiämtern und die Aussage eines Zeugen, nach der er in den Dreißigerjahren belastende Beobachtungen über das Verhalten von Regimegegnern an den Kreisleiter weitergegeben haben sollte, ein Vorwurf, den Haug bestritt. Die Berufungskammer ließ jedoch in ihrem schließlich rechtskräftigen Urteil vom 13. August 1948 Haugs KZ-Haft und die positiven Aussagen seiner Mithäftlinge als mildernde Umstände gelten und stufte ihn als „Mitläufer“ ein.[7]
Ernst Haug (hintere Reihe, 4. von rechts) im Kreis des Vereinsvorstands der Normannia 1954 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. C02 [Zeitgeschichtliche Sammlung], Bü 370).
Zuvor war Ernst Haug am 4. April 1946 nach Gmünd heimgekehrt, fast sechs Jahre nach seinem letzten Heimaturlaub. Er war nicht nur mittellos und von der langen KZ-Haft gezeichnet, sondern musste noch über zwei Jahre lang mit der drohenden Internierung rechnen, bis die Berufungskammer diese Sorge ausräumte. Elisabeth hatte sich inzwischen neu verheiratet und war mit der gemeinsamen Tochter zu ihrem zweiten Ehemann gezogen. [8] Doch gelang Ernst Haug ein Neuanfang. Er zog zu seiner älteren Schwester Berta, verheiratete Peeck, die inzwischen nach dem Tod der Eltern das Wirtshaus zur Torbäckerei weiterführte,[9] und kehrte zu seinem geliebten Sportverein Normannia zurück, für den die Torbäckerei damals ein wichtiger Treffpunkt war. In den Fünfzigerjahren war er im Vereinsvorstand aktiv, für die Pressearbeit der Normannia zuständig und wurde von der Remszeitung als Vertriebsleiter und Sportredakteur angestellt.
Auch zu seiner eigenen Familie pflegte er bis zum Ende seines Lebens ein gutes Verhältnis – insbesondere zu seiner Tochter, die als Neunjährige vom Grund seiner Inhaftierung erfahren hatte. Sein Umfeld in Verein und Zeitung muss ebenfalls Bescheid gewusst haben, ohne dass seine sexuelle Orientierung je thematisiert worden wäre: Homosexualität war auch in Adenauerdeutschland unter § 175 strafbar, und somit ein Tabuthema. Als Ernst Haug am 5. Dezember 1961 nach schwerer Krankheit 64-jährig verstarb, ehrte ihn die Remszeitung mit einem Nachruf; der 1. FC Normannia erinnerte an ihn in ihrer Festschrift zum 60-jährigen Vereinsjubiläum 1964 – und noch weit in die 60er Jahre hinein beim jährlichen “Ernst-Haug-Gedächtnisrennen” der Vereinsradfahrer am Sebaldplatz. [10]
An dieser Stelle herzlichen Dank an Frau Elisabeth Rieger-Haug, die im Zeitzeugengespräch am 6. Juli 2023 im Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd Auskunft zur Biographie ihres Vaters gegeben und zahlreiche Dokumente aus seinem Schriftnachlass zur Verfügung gestellt hat.
Ankündigung des IV. Ernst-Haug-Gedächtnisrennens ; Rems-Zeitung vom 15. Mai 1965, S. 11 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. C03.37 (Remszeitung), Bd. 206).
[1] Ernst Haug: „S-KZ“ – Soldaten-Konzentrations-Lager. Ein Tatsachenbericht aus dem S-KZ – Lager Esterwegen im Emslandmoor. In: Spruchkammerakte Ernst Haug, StA Ludwigsburg EL 902/7, Bü 5352; der Bericht ist außerdem hier online einsehbar. Vgl. Werner Biggel und Ralf Bogen: Ernst Haug; URL: https://der-liebe-wegen.org/?profil=ernst-haug (Abruf 05.07.2023). Unser Dank gebührt beiden Autoren, deren Beitrag die Geschichtswerkstatt „Einhorn sucht Regenbogen“ auf Ernst Haug aufmerksam gemacht hat.
[2] Spruchkammerakte Ernst Haug, StA Ludwigsburg EL 902/7, Bü 5352.
[3] Familienregister zu Christian und Therese Haug (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, A13.10.07, Bd. 7, Bl. 2574); Meldekarten zu Christian und Ernst Haug aus den Meldekarteien bis 1927 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, A12a.01) und 1927-1966 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, A12a.02), Nachruf in der Jubiläumsfestschrift des 1. FC Normannia 1964 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. C02 (Zeitgeschichtliche Sammlung), Bü 370). Zu Haugs Streckenrekord von 1924 N.N.: „Quer durch den Gmünder Sport“, in: Einhorn 1957, Nr. 24, S. [184].
[4] Zur Familie s. Meldekarte Ernst Haug 1927-1966 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, A12a.02). Weitere Angaben, insbesondere zum Verhältnis der Eheleute Haug, verdanke ich der Auskunft seiner Tochter im Zeitzeugengespräch am 6.7.2023 im Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd. Zu Parteiämtern und militärischer Laufbahn s. Spruchkammerakte Ernst Haug (wie Anm. 2) sowie Artikel „Drei Fälle vor der Spruchkammer Gmünd“, in: Neue Württembergische Zeitung, Nr. 7 (24.01.1947), S. 5.
[7] Spruchkammerakte Ernst Haug (wie Anm. 2) sowie NWZ-Artikel „Drei Fälle vor der Spruchkammer Gmünd“ (wie Anm. 4).
[8] Meldekarten zu Ernst Haug und Josef Bartlme 1927-1966 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. A12a.02).
[9] Wohnungskartei: Bocksgasse 38 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. A 17.02.03 Nr. 1040).
[10]Zu Haugs Verbindung zur 1. FC Normannia vgl. die Vereinsfestschriften 1954 und 1964 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. C02 (Zeitgeschichtliche Sammlung), Bü 370). Hierzu sowie zu Haugs Tätigkeit für die Remszeitung s.a. den Nachruf in der Remszeitung vom 6. Dezember 1961 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. C03.37, Bd. 191). Die Bedeutung der Torbäckerei als Vereinstreffpunkt in den Fünfzigerjahren wird durch die häufigen Werbeanzeigen des Lokals in Vereinspublikationen dieser Zeit nahegelegt (ebd. und Bü 371) und zugleich durch Frau Elisabeth Rieger-Haug im Zeitzeugengespräch am 06.07.2023 bestätigt. Zum Ernst-Haug-Gedächtnisrennen vgl. z. B. Artikel “Rems-Zeitung-Wanderpreis für Olympiasieger Link” zum IV. Ernst-Haug-Gedächtnisrennen am 15. Mai 1965, in: Remszeitung Nr. 112 (17. Mai 1965), S. 10.
Weitere Beiträge aus dem Themenkreis der Geschichtswerkstatt „Einhorn sucht Regenbogen”:
Nach der NS-Machtergreifung auf Reichsebene richtete das Land Württemberg im März vor 90 Jahren die ersten landeseigenen Konzentrationslager, Heuberg (Stetten am Kalten Markt) und Gotteszell (Schwäbisch Gmünd), ein. Das Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg, das die Gedenkstätte zum ehemaligen Konzentrationslager im Fort Oberer Kuhberg bei Ulm betreut, hat nun am 23. März 2023 eine Datenbank online gestellt, in der erstmals die Biographien der im Zeitraum 1933 bis 1935 in diesen drei Lagern inhaftierten Häftlinge recherchierbar sind (Link). Unter den über 1700 Datensätzen sind auch Informationen zu zahlreichen Personen aus Schwäbisch Gmünd, darunter die Gmünder Regimegegner Alfred (1904-1982) und Lina Haag (1907-2012). Ein Dokument aus einer noch unverzeichneten Polizeiakte (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. A06 [Altregistratur]) wirft ein Schlaglicht auf die erste Verhaftungswelle gegen politische Gegner des NS-Regimes in Schwäbisch Gmünd – kaum zwei Wochen nach der “Machtergreifung” -, in deren Folge Alfred Haag schließlich ins KZ Oberer Kuhberg gebracht wurde.
“Wie soll es da erst in den Städten werden?” – Bericht der Remszeitung vom 13. Februar 1933 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. C03.37 (Remszeitung), Bd. 136).
Am 13. Februar 1933 berichtete die Remszeitung über einen gewaltsamen Vorfall in Lindach: Eine Parteiveranstaltung der Gmünder NSDAP im Gasthaus „Lamm“ in der Nacht vom 11. auf den 12. Februar 1933 mündete demnach in eine Schießerei, nachdem eine Gruppe von Kommunisten das Auto der Nazis mit Steinen beworfen und die Scheiben zertrümmert hatte. Bei dem Schusswechsel erlitt der Metallarbeiter (Former) Josef Heilig einen Oberschenkeldurchschuss, der in den folgenden neun Tagen stationär im Gmünder Spital behandelt wurde.
Eintrag im Patientenregister des Gmünder Spitals (Männerbuch, 1931-1933) zur Behandlung von Josef Heilig wegen Oberschenkeldurchschuss (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. A01 (Spital), Bd. 385).
Das württembergische Landjägerkorps aus Schwäbisch Gmünd traf dem Bericht zufolge erst in Lindach ein, als die Beteiligten sich bereits entfernt hatten. Die Landjäger verfolgten daraufhin 14 Männer mit Haftbefehl, von denen 13 unmittelbar ab dem darauffolgenden Morgen festgenommen wurden (ein weiterer war zunächst flüchtig), und brachte vier weitere zur Anzeige. Ob die Festgenommenen an dem Vorfall tatsächlich alle beteiligt waren oder dieser als pauschaler Vorwand für eine Festsetzung bekannter Gmünder Kommunisten herangezogen wurde, kann hier nicht eindeutig geklärt werden; jedenfalls war den Verhaftungen eine langjährige Überwachung lokaler kommunistischer Gruppierungen durch die Gmünder Stadtpolizei vorausgegangen. Wenige Wochen nach dem Vorfall in Lindach folgte am Folgetag des Reichstagsbrands (27./28.02.1933) mit der „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28. Februar der Auftakt einer systematischen Verfolgung von politischen Gegnern des NS-Regimes.
Verhaftungsliste des Gmünder Landjägerkorps, S. 1; nach 11.02.1933 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. A06 (Altregistratur), noch ohne Signatur).
Unter den wegen des Vorfalls in Lindach Verhafteten waren neben dem Verletzten Josef Heilig die Brüder Alfred und Georg Haag. Offenbar als Einziger der 14 zur Verhaftung vorgesehenen Männer wurde Alfred Haag, damals Gmünder Stadtrat und KPD-Landtagsabgeordneter, nach seiner Verurteilung durch das Landgericht Ellwangen am 27.04.1933 im KZ Oberer Kuhberg inhaftiert. Den Großteil des Zeitraums bis Januar 1940 verbrachte Haag daraufhin dort sowie in den KZs Dachau und Mauthausen, bis seine Ehefrau Lina Haag durch persönliche Intervention bei Heinrich Himmler überraschend seine Freilassung erreichen konnte. Lina Haag, selbst ebenfalls zeitweise im KZ Gotteszell, im Gestapogefängnis Stuttgart (Hotel Silber) und im KZ Lichtenburg inhaftiert, hat diesen Erlebnissen in ihrer biographischen Darstellung „Eine Handvoll Staub“ ein eindrückliches literarisches Denkmal gesetzt.
Ebenfalls nach der Schießerei verhaftet wurde der spätere Doppelagent Eugen Nesper (1913-1991), den die Gestapo 1935 unter Drohungen als Spitzel anwarb. Nesper lief 1942 im Kriegseinsatz an der Ostfront zur sowjetischen Seite über und kehrte Anfang 1944 als sowjetischer „Fallschirmagent“ nach Württemberg zurück, nur um kurz nach seiner Landung durch die Gestapo gefasst zu werden. Unter Todesandrohung ließ er sich zunächst erneut als Spitzel gegen eine Gruppe von württembergischen Kommunisten um Friedrich Schlotterbeck sowie zur Meldung von Falschinformationen nach Moskau einsetzen, floh aber am 10. Juni 1944 in die Schweiz, wobei er einen deutschen Grenzbeamten erschoss. Nespers Spitzeltätigkeit und anschließende Flucht führte zur Verhaftung der meisten Mitglieder der Widerstandsgruppe um Schlotterbeck; zehn von ihnen wurden am 30. November 1944 im KZ Dachau ermordet.
Literaturauswahl (neben den oben verlinkten Websites):
Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier (Hrsg.): Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern. Stuttgart 2013.
Lina Haag, Eine Handvoll Staub. Widerstand einer Frau 1933-1945. Frankfurt a. M. 1996 (Ersterscheinung 1947).
Ein neuer Blogeintrag von Klaus Graf befasst sich mit der Frage, seit wann die Ratsherren der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd den Rosenkranz offen in Ratssitzungen trugen und welche Hintergründe dieser Praxis zu Grunde liegen.
Schwäbisch Gmünd, Bestand C01, Nr. 16, S. 21
Der Gmünder Ratskonsulent Johann Eustachius Jeger (1653-1729) schrieb in seiner Rechtssammlung „Periphrasia compendiosa“ (1707) zum Thema Rosenkranz, unter der Herrschaft Kaiser Karls V. habe der damalige Gmünder Bürgermeister Johann Rauchbein verkünden lassen, „wer ein rechtschaffener cathollischer Christ seye, solle seinen Rosenkrantz offentlich und ungescheuchter tragen, wie auch hernach beschen; und dahero bey einem ehrsamben rath concludiert worden, dass ein jeder Raths- und Gerichtsherr, so offt er in Rath gehen werden, seinen Rosencranz offentlich tragen, und biß zu Ende des Raths und Gerichts in der Handt behalten solle“ (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, C1 Nr. 16 S. 21; Zitat ab Z. 18). Für den in der Quelle erwähnten Zeitraum fehlen jedoch zeitgenössische Belege. Vgl. Pascal Kolb, Policeyrecht in der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd (2003), S. 111.
Titelblatt des ersten Hefts zum Kriegsjahr 1914 (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd)
Im Zeitraum 1927-1928 veröffentlichte Georg Stütz (1864-1948), Heimatforscher und 1898-1932 Lehrer an der katholischen Mädchenschule in Gmünd (ab 1936 Maria-Kahle-Schule) seine Kriegschronik „Gmünd im Weltkrieg“ in fünf Heften (jeweils eines pro Kriegsjahr). Darin stellte er Krieg und Revolution aus Perspektive der Gmünder Heimatfront im Spiegel von eigenen Erinnerungen, amtlichen Mitteilungen, Zeitungsnachrichten und Zeitzeugengesprächen chronologisch dar. Das Ergebnis ist deutlich von der nationalistischen, republikfeindlichen und latent antisemitischen Haltung seines Verfassers geprägt, offenbart aber (zum Teil gerade deswegen) als zeitgenössische Quelle aussagekräftige und detaillierte Einblicke in Alltag und Mentalität einer württembergischen Oberamtsstadt, das politische Tagesgeschehen und die lokale Rezeption der reichsweit relevanten Kriegs- und Revolutionsereignisse. Die Württembergische Landesbibliothek hat das Werk digitalisiert und hier online zur Verfügung gestellt.
“Am 11. März 1940 nach Philadelphia verzogen” – so lautet der letzte Eintrag in dem Register, das die Vorsteher der Gmünder jüdischen Gemeinde seit etwa 1890 über ihre Mitglieder geführt hatten. Analog zu den Kirchenbüchern christlicher Glaubensgemeinschaften wurden darin die Haushaltsvorstände mit ihren Familien erfasst, jede Geburt, jede Eheschließung und jeder Sterbefall festgehalten, ebenso wie die Wegzüge von Gemeindemitgliedern. Der eingangs zitierte Vermerk galt Ludwig Hess (*1888), seiner Ehefrau Martha (*1885), getraut am 23. März 1921 in Schwäbisch Gmünd, und ihrer 1925 geborenen Tochter Liselotte Babette. Seit Kriegsausbruch interniert in der Königsturmstr. 18, einem enteigneten Haus aus jüdischem Besitz, das die Stadt den verbliebenen Juden als Zwangsquartier zugewiesen hatte, gelang der kleinen Familie ein halbes Jahr später noch die Flucht vor dem Terror der Nazis. Die jüdische Gemeinde von Schwäbisch Gmünd existierte da schon nicht mehr.
Unter den Gründern der modernen jüdischen Gemeinde war der aus Oberdorf zugezogene David Heimann (1837-1893), der im “Remsthal-Boten” vom 15. September 1864 für sein neueröffnetes Textilgeschäft warb (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. C03.03, Bd. 36, S. 457). Auch er ist mit seiner Familie im Familienregister der Gemeinde verzeichnet.
Ein Blick zurück: Juden siedelten sich in der Stadt seit den 1860er Jahren an, als die Emanzipationsgesetze des Königreichs Württemberg sie bürgerrechtlich weitgehend mit der christlichen Mehrheit gleichgestellt hatten. Die mittelalterliche Gemeinde, die Kaiser Maximilian 1501 auf Betreiben der damaligen Stadtobrigkeit nach etwa drei Jahrhunderten gemeinsamer Geschichte aus Gmünd ausgewiesen hatte, war zu diesem Zeitpunkt nur noch eine ferne Erinnerung. Im Zuge der Neuansiedlung wirkte nun eine Gruppe jüdischer Gmünder erfolgreich auf die Neugründung einer religiösen Gemeinde hin. Am 22. August 1890 verfügte die Israelitische Oberkirchenbehörde in Stuttgart die Einrichtung einer selbständigen, staatlich anerkannten Synagogengemeinde in Gmünd, die dem Rabbinat Oberdorf zugeordnet wurde. Die jüdische Gemeinde wuchs nie über eine Mitgliederzahl von 100 hinaus, blieb aber über die folgenden Jahrzehnte eine konstante Größe der Stadtgesellschaft. Mit der Einweihung der neuen Synagoge in der Katharinenstraße gewann die Gemeinde am 16. Mai 1926 ein eigenes Zentrum und war nicht mehr auf die Nutzung städtischer Räume angewiesen, deren Zusage jederzeit zurückgezogen werden konnte.
Bericht der Remszeitung vom 22. Mai 1926 zur Einweihung der neuen Gmünder Synagoge (Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Best. C03.37, Bd. 117).
Das Familienregister war nicht unter den 1938 beschlagnahmten Büchern, denn es erscheint nicht in den erhaltenen Objektlisten und wurde, wie der Eintrag zu Ludwig und Martha Hess zeigt, noch bis 1940 weitergeführt. In diesem Jahr jedoch wurden die Personenstandsunterlagen sämtlicher jüdischen Gemeinden in Deutschland durch das Reichssippenamt eingezogen und in Berlin gesammelt. Zur Sicherung vor Luftangriffen wurden die Dokumente später auf Schloss Rathsfeld am Kyffhäuser gebracht und dort durch die Duisburger Firma Gatermann mikroverfilmt. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt, denn die Originale sind bis heute verschollen; die Mikrofilme jedoch überstanden den Krieg. Die Reprographien der Register jüdischer Gemeinden aus Baden und Württemberg wurden in den Fünfziger Jahren durch das Landesarchiv Baden-Württemberg erworben, später digitalisiert und online bereitgestellt. Das Register der Gmünder Gemeinde ist dort heute unter der Signatur Hauptstaatsarchiv Stuttgart, J 386 Bü 512 abrufbar.
Damit war das Dokument bereits in den letzten Jahren weltweit einsehbar, doch stellte die Lesbarkeit der fast 80 Jahre alten Mikrofilme eine gewisse Hürde dar. Um die Nutzung für Forschungen zur Geschichte der jüdischen Gemeinde sowie die Familienforschung zu erleichtern, hat das Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd nun eine Edition herausgegeben, die über den Publikationsserver der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd ebenfalls online verfügbar ist: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:752-opus4-1603
Die Transkription sowie die Ergänzung von Informationen aus städtischen Melde- und Personenstandsregistern besorgte Valeska Martin, die Übersetzung der hebräischen Textteile Dr. Andreas Lehnertz. Das Layout wurde durch das Team von freitag & häussermann realisiert. Wir danken an dieser Stelle allen Beteiligten!
Die anlässlich des diesjährigen Tags des Gedenkens der Opfer des Holocaust vorgestellte Edition soll ein personenkundliches Hilfsmittel für die Forschung sein, zugleich aber auch ein virtuelles Denkmal, das die Namen der Emigrierten und Ermordeten in ihrem familiären Gefüge dokumentiert und so beiträgt, die Leerstelle nachvollziehbar zu machen, die der Holocaust in Gmünd hinterlassen hat.
Durch den Landespreis für Heimatforschung würdigt das Land Baden-Württemberg seit 1982 jedes Jahr die Leistungen Ehrenamtlicher, die zur lokalen Geschichte und Landeskunde forschen. Bei der diesjährigen 41. Verleihung am 17. November 2022 in Offenburg gingen zwei Preise an Arbeiten mit Bezug zu Schwäbisch Gmünd: Der gebürtige Gmünder Florian Setzen wurde für seine Edition des „Stammbüchleins der Grafen und Herren von Rechberg“ mit einem zweiten Preis ausgezeichnet. Auch der Preis „Heimatforschung Digital“ ging an eine Arbeit mit Gmünder Bezügen, nämlich den Blog des Lienzingers Günter Bächle.
Von links: Stadtarchivar Dr. Niklas Konzen mit Florian Henning Setzen und den Buchgestaltern Peter Freitag und Annika Gramsch (freitag & häussermann). Bild: Veronika Setzen.
Bei dem „Stammbüchlein“ handelt es sich um eine adlige Familienchronik, verfasst 1643 durch den Gmünder Johann Frey, damals rechbergischer Vogt in der Herrschaft Waldstetten. Das Original wird mit zwei späteren Fassungen im rechbergischen Familienarchiv in Donzdorf aufbewahrt; das Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd verfügt über eine Kopie. Als Quelle ergänzt das „Stammbüchlein“ nicht nur die bisher publizierten genealogischen Fakten zur Familie Rechberg und reichert diese mit biographischem Hintergrund aus zeitgenössischen Quellen an, sondern enthält auch wertvolle Informationen zu Orten in Schwäbisch Gmünd und Umgebung. Die kenntnisreiche Einleitung des Bearbeiters verdeutlicht die Entstehungssituation der Chronik und macht ihre Quellen nachvollziehbar. Die Arbeit wurde ermöglicht durch die Unterstützung des Hauses Rechberg, des Kreisarchivs Göppingen, des Stadtarchivs Schwäbisch Gmünd sowie vor allem die erhebliche intrinsische Motivation des Bearbeiters. Sie ist bereits am 29. Oktober 2021 als Band 7 in der Reihe „Quellen aus dem Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd: Digitale Editionen“ erschienen.
Abbildung von Burg Hohenrechberg im Original des “Stammbüchleins”, S. 17 (Archiv des Grafen von Rechberg und Rothenlöwen zu Hohenrechberg, Donzdorf).
Relevant für die Gmünder Stadtgeschichte sind auch die ebenfalls prämierten „Lienzinger Geschichten“ des CDU-Kommunalpolitikers und Heimatforschers Günter Bächle aus Lienzingen bei Mühlacker, der sich in zwei ebenso spannenden wie informativen Blogposts mit der Biographie seines ersten Grundschullehrers auseinandersetzte: Hermann Oppenländer, 1937 bis 1945 Kreisleiter der NSDAP in Schwäbisch Gmünd (Teil 1, Teil 2). Gestützt auf eine solide und anschaulich vermittelte Quellenbasis (wobei auch die Edition des Oppenländer-Tagebuchs von Dr. David Schnur herangezogen wurde), thematisiert der Autor auch seine persönliche Betroffenheit in der Auseinandersetzung mit der Biographie seines früheren Lehrers.
Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hat die Preisträger und ihre Projekte in Kurzfilmen vorgestellt, die hier (Setzen) und hier (Bächle) angeschaut werden können.